Pliska ist die erste Hauptstadt Donaubulgariens. Die imposanten Überreste der antiken Stadt liegen 2 km nördlich der heutigen Stadt, 24 km von der Stadt Schumen.
Als eine der repräsentativsten von den frühmittelalterlichen europäischen Hauptstädten, fiel Pliska sowohl durch ihre Architektur und Fortifikationssystem auf, als auch durch ihre Größe. Auf einer Fläche von 23 km2 war die Stadt damals raummäßig größer als London und Paris. In Pliska erfolgte in den 60-er Jahren des 9. Jahrhunderts, zur Zeit des Fürsten Boris I. (852-889), die Bekehrung der Bulgaren zum Christentum. Dorthin gingen die Schüler der slawischen Aufklärer und Schöpfer des bulgarisch-slawischen Schrifttums, die Heiligen Kyrill und Methodi, wiederum dort setzte der Anfang des bekannten Pliska-Preslav-Schrifttumspflegezentrums an, Mittelpunkt einer organisierten Aufklärungsarbeit in Ostbulgarien. Im Jahre 893 verlegte Zar Simeon I. die Hauptstadt nach Preslav, Pliska entwickelte sich doch weiter als Kultur-, Handels- und Handwerkszentrum.
Bei den Ausgrabungen wurden drei konzentrische Befestigungsgürtel deutlich – irdene Befestigung, steinerne Festungsmauer und innere Ziegelmauer, die eine Außenstadt, Innenstadt und ein Schlosszentrum formten.
Die Außenstadt, wo die einfachen Bürger wohnten, war von einem tiefen Graben umzäunt, der ein Rechteck von 23,3 m2 umfasste. Dort wurden die Grundmauern mehrerer öffentlicher und kirchlicher Gebäude aufgedeckt. Deutlich zu sehen sind die Überreste der Großen Basilika – der monumentalsten bulgarischen mittelalterlichen Kirche (99 m lang und 29,5 m breit), die 1,5 km nordöstlich vom Osttor der Innenstadt liegen. Die stark befestigte Innenstadt lag fast in der Mitte der Außenstadt. Die noch heute beeindruckende Festungsmauer (2,6 m breit und ursprünglich 10-12 m hoch) wurde aus geschliffenen Steinblöcken gebaut. Die Seiten des gebildeten Rechtecks sind nach den Himmelsrichtungen orientiert. Jede Mauer besaß ein monumentales Tor und an jeder Ecke erhob sich ein runder Turm. Zwischen dem Turm und dem Tor war ein fünfeckiger Turm errichtet. Oberhalb schloss die Mauer mit Zacken ab, und innerhalb hatte sie über die ganze Länge einen breiten Weg für die Wache. Das Osttor diente als Haupttor der Innenstadt. Außer den Überresten der beeindruckenden Festungsanlagen, macht den stärksten Eindruck zweifelsohne der Thronpalast,bekannt als das Große Schloss – ein relativ bestens erhaltener Bau in der Innenstadt. Das Schloss hat die Ausmaße 52 x 26,5 m. Man vermutet, dass in der oberen Etage der feierliche Thronsaal gewesen war, wo die bulgarischen Herrscher offizielle Gäste und ausländische Gesandte empfangen haben. Am nördlichen Ende des Saals erhob sich der imposante halbrunde Thron.
Der dritte Befestigungsgürtel umfasste den eigentlichen Kern der Festungsstadt – die Gemächer der bulgarischen Herrscher. Eigentlich ist er der komplizierteste Architekturkomplex. Wenn auch aus Ziegeln, war die Mauer stark gebaut. Sie formt einen rechteckigen Hof. An die Nordmauer wurde das schmucke kleine Schloss angebaut – der repräsentativste Bau in der Zitadelle. Er diente als Wohnung für den Herrscher und seine Familie. Er bestand aus zwei fast baugleichen rechteckigen Gebäuden. Sie waren etwa 19 m lang, 14 m breit und hatten aus mit rotem Mörtel und eisernen Klammern gemauerten Steinblöcken gebaute 1,12 m dicke Wände. Der Boden einiger der Räumlichkeiten war mit großen Steinplatten gedeckt. Treppenspuren lassen auf einen zweiten Stock schließen. Unmittelbar neben dem Schloss wurden Überreste von einer Schlosskapelle, großem Wasserbecken, einem Bad, einem Wassersammelschacht, wirtschaftlichen und Wachegebäuden und weiteren kleineren Bauten freigelegt. Die unterschiedlichen Bauten weisen auf unterschiedliche Bauperioden. Von Bedeutung in Pliska sind nicht nur die großen Bauten, sondern auch die hochentwickelte städtebauliche Weise (Bodenheizung, Kanalisationsnetz aus Keramik- und Bleirohren für Trink- und Abwasser u. a.). Bei den Ausgrabungen der letzten Jahre wurden Tunnels unter den Herrscherschlössern entdeckt. Das System dieser geheimen Durchgänge war im Laufe eines Jahrhunderts Teil der strategieorientierten Architektur von Pliska gewesen. Die Tunnels sind 300 m lang, 2,2 m hoch und führten noch weit hinter die Festungsmauer. Verschlossen wurden sie durch massive hölzerne Tore.
Zum Reservat gibt es ein gut eingerichtetes Museum.
Dort ist auch das Grab vom Archäologen Karel Schkorpil (1859-1944), auf dessen Initiative 1899 die Ausgrabungen in Pliska begonnen hatten.